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Ein Jahr später – und wir zahlen den Preis

Jetzt ist es gerade ein Jahr her, dass Donald Trump seinen erneuten Antritt im Weißen Haus begonnen hat. Ein Jahr, in dem sich vieles von dem bewahrheitet hat, wovor gewarnt wurde. Mehr Eskalation, weniger Diplomatie. Mehr Drohungen, weniger Vertrauen. Innenpolitische Inszenierung mit globalen Folgen. Die Welt ist unruhiger geworden, aggressiver, nervöser – und gefährlicher.


Während man in den USA zusieht, wie ein permanenter Ausnahmezustand zur politischen Methode erhoben wird, lohnt sich der Blick nach Deutschland. Auch hier wurde eine Richtungsentscheidung getroffen. Und auch hier wurde sie nicht mit Offenheit und Ehrlichkeit geführt.

Der Wahlkampf von CDU und CSU gegen Bündnis 90/Die Grünen war kein sachlicher Streit um Lösungen. Er war eine gezielte Kampagne der Verzerrung – und in zentralen Punkten eine bewusste Lüge. Heizungsverbote, Enteignungen, kalte Wohnungen, der angebliche „grüne Zwangsstaat“. Narrative, die sich bei genauer Betrachtung als falsch oder massiv verkürzt erwiesen, aber lange genug wiederholt wurden, um Wirkung zu entfalten.

Das ging weit über harte politische Auseinandersetzung hinaus. Ziel war nicht mehr Überzeugung, sondern Zerstörung. Eine Partei sollte verunsichert, delegitimiert und politisch vernichtet werden. Besonders deutlich wurde das in Bayern. Dort wurde aus politischer Gegnerschaft etwas Persönliches. Markus Söder führte den Angriff nicht als inhaltlichen Wettbewerb, sondern als Dauerabrechnung. Der Fokus lag auffällig oft auf Robert Habeck – einem Politiker, der bei Energie- und Umweltfragen komplex dachte, Zusammenhänge erklärte und nachweislich tiefer im Stoff war. Statt sich fachlich zu messen, wurde vereinfacht, verzerrt und emotionalisiert. Was hier betrieben wurde, war keine Zuspitzung mehr, sondern politische Brandstiftung.

Stell dir eine Welt vor, in der Robert Habeck Kanzler geworden wäre. Eine Politik, die erklärt statt anheizt. Die Fehler eingesteht, statt sie zu leugnen. Die nicht vorgibt, einfache Antworten zu haben, sondern versucht, mit der Realität umzugehen. Und stell dir vor, im Weißen Haus würde Kamala Harris regieren – mit Fokus auf Bündnisse, Rechtsstaatlichkeit und Deeskalation statt auf Ego, Drohungen und Dauerprovokation.


Wie viel friedlicher wäre diese Welt?


Wie viel ruhiger?


Wie viel berechenbarer?


Vielleicht gäbe es heute weniger eskalierte Konflikte, weniger bewusst gezündete geopolitische Lunte, weniger Politik am Rand des Abgrunds. Vielleicht wären diplomatische Kanäle offen geblieben, die heute zerstört sind. Vielleicht wären Entscheidungen früher getroffen worden – bevor Krisen außer Kontrolle geraten. Und vielleicht würden heute Menschen leben, die gestorben sind, weil Politik versagt hat. Weil Warnungen ignoriert wurden. Weil Macht wichtiger war als Verantwortung.

Wichtig ist dabei eines klar zu sagen: Wenn es heute darum geht, die Gräben wieder zuzuschütten, dann ist das keine Aufgabe einer einzelnen Partei. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Auch die Grünen müssen dazu beitragen. Ebenso wie alle anderen demokratischen Kräfte. Wer spaltet, trägt Verantwortung. Wer bewusst lügt, auch. Und wer zusieht und schweigt, ebenso.

Das hier ist keine Parteirede. Es geht nicht um Zugehörigkeit. Es geht um Haltung. Um die Frage, ob wir Politik als Dauerkrieg begreifen wollen – oder als Werkzeug, um Schaden von Menschen abzuwenden.


Am Ende bleibt eine nüchterne Erkenntnis:

Nicht weil wir es nicht besser hätten wissen können, sondern weil wir es trotzdem anders entschieden haben, ist die Welt heute unruhiger, härter und gefährlicher, als sie sein müsste.



 
 
 

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